One Week of Thailand

Die ersten Tage in einem neuen Land sind meist die aufregendsten und intensivsten. Alles ist neu und erscheint -durch die deutsche Brille betrachtet- oft auch etwas merkwürdig.  Aber alles was so anders ist, ist das Tolle am Reisen und wofür ich es mache. Hier ein paar Dinge, die wir in der ersten Woche Thailand gelernt haben:
1) Hier in Thailand ist es ganz schön warm. Nachdem ich vor gut fünfzehn Jahren schon einmal schlechte Erfahrungen mit dem tropischen Klima in Malaysia machen musste, ging ich mit etwas Respekt in diese Reise. Bei unserer Ankunft schwirrte in meinem Kopf der in meiner Familie häufig gebrauchte Satz herum: „Kann hier bitte mal jemand die Heizung ausmachen!“  Nach einer guten Nacht Schlaf sieht die Welt aber schon wieder ganz anders aus.
2) Thais mögen es sauber! In jedem Flughafen, Restaurant oder Guesthouse gibt es jemanden, der ständig am fegen und wienern ist. Die meisten Fußböden sind aus Fliesen und blinken um die Wette. Selbst die U-Bahn wird am Endbahnhof einmal gereinigt, bevor die neuen Passagiere einsteigen dürfen. Uuund….
3) … an der U-Bahn wird sich zum einsteigen in Reihen angestellt. Kein Drängeln! Gekuschelt werden darf dann erst drinnen 😉
4) Die Bäder sind – tja – anders. Ohne Toilettenpapier, dafür mit Brause. Aber auch ohne Seife am Waschbecken. Die Duschbrause hängt meist oberhalb der Toilette, ohne separate Duschkabine. Vielleicht finde ich in den nächsten Tagen noch heraus, wie man korrekt auf Toilette geht.
5) 95% der Thais sind buddhistisch (Wikipedia). Tempel, goldene Spitzen und Mönche gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Wenn wir morgens loszogen, um uns zwei Tempel anzuschauen, hatten wir abends meist eher zwanzig gesehen. Ein jeder beeindruckt durch seinen Glanz, das Gold und die zahlreichen Buddhas.
6) Es ist nicht überall Blaubeere drin, wo Blaubeere draufsteht.
7) In die Tempel und vor Buddha geht’s nur ohne Schuhe. Kein Problem – die Fußböden sind ja sauber. Der Rest muss aber bekleidet sein. Und nicht mit deinen Zehenspitzen auf Buddha zeigen, geschweige denn vor ihm kuscheln.
8) Essen gibt’s für 1-2€ am günstigsten und am leckersten auf der Straße. Lustig ist, wenn man in einem Restaurant dann doch mal 4-5€ zahlen muss. Dann erwisch ich mich schon mal bei dem Gedanken: „Boah ist das teuer!“
9) Das Leben hier scheint aus meiner Perspektive so viel simpler als unser deutsches Leben. In den urbanen und dörflichen Gegenden leben viele Thais in kleinen 1-2 Zimmer Wohnungen. Viele spezialisieren sich auf eine kleine Nische: zum Beispiel auf den Verkauf von einzelnen Autoteilen, Muttern oder Dachbedeckungsaluteilen.
10) Hier wird kaum Alkohol getrunken. Eigentlich nur von Touristen.
11) Wie man sein Jet Lag überwindet: mit einer Fußmassage. Massagen gibt’s in allen touristischen Gegenden und darüber hinaus. Sie sind ein Traum. Die klassische Thai Massage, bei der Rücken, Beine und Kopf durchgeknetet werden, ist mehr „überstehen“ als genießen – aber so gut. Am Folgetag hatte ich Muskelkater im Rücken.
12) Das Lichterfest Loy Krathong war das erste große Highlight unseres Urlaubs und würde ich jedem empfehlen. Dabei lassen alle Menschen auf der Straße Lampions in den Himmel steigen. Die gabs in Deutschland auch mal, wurden aber, glaube ich, aus sicherheitstechnischen Gründen wieder verboten. Alkohol ist auf der Straße nicht erlaubt. Die Stimmung war somit wunderbar. Alle waren freundlich, halfen sich gegenseitig, wenn dochmal ein brennender Lampion wieder abstürzte und feierten gemeinsam. Keine Super von Aggression.
13) Ein Lächeln hilft immer weiter.
14) Hier wird viel und zu fast jeder Mahlzeit Fleisch gegessen. Auf der Straße findet man eher selten etwas vegetarisches. Auch interessant: es wird so viel vom Tier wie möglich verspeist. Die Haut wird frittiert, die Eingeweide unter die Suppe gemischt.
15) Die Sprache nicht sprechen zu können, ist doof. Am ersten Tag konnte ich nicht mal Danke sagen. Toll ist, dass die Verständigung aber immer irgendwie klappt – Hände und Füße inklusive.

 

ready, set, go!

Hundemüde von der gestrigen Katzenparty, schmerzende Schultern von den letzten Impfungen, das halbe Gepäck voller Medikamente, GoPro im Rucksack und schon im Zug zum Flug. Pünktlich zum Eintreffen des Schmuddelwetters also: nichts wie weg hier! Nach einem Monat voller Schufterei endlich auch mal wieder die Seele baumeln lassen. Warum man dafür um die halbe Welt reisen muss, bleibt natürlich fraglich, aber diese Gene wurden mir ja in die Wiege gelegt. 🙂

Blau. Zum nachmachen.

Es ist ein ganz normaler Sonntagnachmittag. Ich bin zum Geburtstag einer Freundin eingeladen. Viele Gäste sind anwesend. Es gibt leckeres Essen. Die Stimmung ist gut. Draußen macht sich die winterliche Kälte breit, aber hier drinnen ist es mollig warm. Obwohl ich gerade pappsatt vom Frühstück direkr hierher gekommen bin, kann ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, das Buffet in Augenschein zu nehmen. Da gibt es verschiedene Quiches, Brot, Kuchen, eine Käseplatte, diverses Obst…  Und dann sehe ich da plötzlich etwas Blaues! Es rückt gleich auf der anderen Seite des Buffets in mein Blickfeld. Neben den beigen, gelben und pastellfarbenen Tönen der Speisen eine interessante Abwechslung. Anmutig hüpft das Blau auf und ab. Ich wage einen Blick nach oben und da seh ich ihn. Ein hübscher blauer Strickpulli eines anderen Geburtstagsgastes tanzt vor mir um das Buffet herum. Das Mädel sieht ähnlich aus wie ich. Aber das Strickmuster, und dieses Blau…! ‚Ein wirklich schöner Pulli!‘, denke ich mir.

Der Geburtstagsnachmittag verläuft sehr angenehm. Gute Gespräche, das Essen schmeckt so gut, wie es aussah und endlich mal etwas Entspannung vom stressigen Alltag. Doch der Pulli gibt mir keine Ruhe. Immer wieder schaue ich zu ihm herüber, und stelle mir vor, wie gut er doch auch zu mir passen würde! Oder liegt es nur an dem Mädel, dass er so gut aussieht? Und ob es den überhaupt noch irgendwo zu kaufen gibt?

Schließlich, kurz bevor ich gehen will, frage ich das Mädel dann doch noch, wo sie das gute Stück erworben hat. „H&M. Letztes Jahr.“ Frustrierend! Und dann auch noch: „Er ist wirklich super bequem.“

So ist es bei mir immer. Wenn ich ein neues Kleidungsstück benötige und mich auf Shoppingtour begebe, bin ich selten erfolgreich. Ich habe viel zu konkrete Vorstellungen im Kopf, denen keins der Produkte entspricht. Und letztendlich finde ich dann nur anderen tollen Kram, den ich aber gar nicht brauche.

Im Fall „blauer Pulli“ kam mir dann aber zum Glück die rettende Idee: Kleiderkreisel! Eine online Plattform für Second Hand Kleidung. Dort gab ich dann fix meine Suchkriterien ein: Strickware, blau, Größe 38. Ich scrollte mich durch gefühlte 1352 Artikel. Und schließlich: Da war er! In meiner Größe, kaum getragen, für schlappe 5€. Ab in den Warenkorb und ab zu mir! Mit dem Ergebnis, dass ich mir erträumt habe. Er passt, hält warm und sieht nach meinem Geschmack gut aus. 😉

Die Story ist nicht besonders spannend. Aber mich hat sie wirklich glücklich gemacht. (Es sind doch die kleinen Dinge!) Ich erzähle sie, weil ich damit zum Nachahmen anregen möchte. Unsere Gesellschaft leidet unter dem Überfluss der heutigen Zeit. Wenn uns etwas nicht mehr gefällt, kaufen wir einfach etwas neues. Haben wir eine Hose zu heiß gewaschen, landet sie auch gerne mal im Müll.

Mir selbst bereitet es nicht nur Freude, Second Hand einzukaufen, sondern auch, meine eigenen Kleider und Haushaltsgegenstände anzubieten. Dabei geht es nicht ums Geld. Sondern darum, weniger Dinge wegzuwerfen und sie dafür wiederzuverwerten. 

Amen 🙂